Glossarium
Ähnlichkeit in der architektonischen Harmonie

Proportionslehre der Architektur

Der Gedanke einer Proportion als gestalterisches Hilfsmittel durchzieht zahlreiche Schriften der Architekturtheorie. Besonders verbreitet erscheint der zeichnerische Nachvollzug von Gebäuden, denen ein Wert innerhalb der Architekturgeschichte zugeschrieben wird. Dieser Wert ist neben dem geschichtlichen, technischen, (etc.) auch ein ästhetischer, der so durch die Kulturgemeinschaft definiert wurde. Dem Suchenden nach der Proportion dahinter (bzw. davor) wird mit diesem Wert eine Rechtfertigung oder sogar eine Notwendigkeit mit auf seinen Weg gegeben. Der Nachvollzug nun möchte diesem ästhetischen Wert nahekommen, ihn mit einem Raster belegen und den Rhythmus der Bauelemente verdeutlichen.

Und was genau ist der Nachvollzug?

Über Fotos von antiken Säulen-Anordnungen oder christlichen Kirchen des Mittelalters werden die geometrischen Hilfsmittel Linie, Punkt, Winkel oder Kreisbogen angewendet, um den gestalterischen Zusammenhang der Elemente hervorzuheben. Aus den Darstellungen wird eine Theorie der Form abgeleitet und an weiteren Beispielen bekräftigt. Oft jedoch geht der Blick in Richtung eines Nachsinnens: wie wurde dies und das damals geplant und gebaut? Hier soll der Blick allerdings eher in Richtung eines eigenen, vielleicht sogar bewussten, Herstellens gehen, so zuerst mit Miloutine Borissavlievitch und seinen „Gesetzen der architektonischen Harmonie“ , veröffentlicht 1952.

In den Studien kommt Borissavlievitch auf genau zwei Bestandteile einer Harmonielehre: Gleichheit und Ähnlichkeit. Es ist ein Ausschlussverfahren für ihn, entweder identisch bzw. ähnlich sind sich zwei Formen, oder eben ungleich bzw. andersartig und daher für eine Harmoniebetrachtung unbrauchbar. So einfach ist es manchmal.

Gleichheit: Gesetz des Gleichen

Miloutine Borissavlievitch wählt für seine Theorie den Begriff des Gesetzes. Für ihn ist es ein Gesetz, eine Notwendigkeit. Die Gestaltung, will sie denn harmonisch wirken, muss zumindest einem Teil des Gesetzes unterliegen, also Elemente der Ähnlichkeit und/oder Gleichheit mit einbeziehen. Den wichtigeren Teil dieses Paares übernimmt dabei die Gleichheit. Sie gibt der Gestaltung einen Rhythmus, eine Abfolge – lässt sie auf eine Ordnung gründen (für Borissavlievitch so etwas wie eine ästhetische Allgemeine, das höchste Gesetz).
Gleichheit
Sie ist besonders offensichtlich, wenn es um die Gestaltung einer Fassade geht, wobei die Fenster in ihrer Abfolge diese Gleichmäßigkeit bilden.

Ähnlichkeit: Gesetz des Ähnlichen

Wie das Gesetz des Gleichen, so auch das Gesetz des Ähnlichen: in sich eine Einheit, einmal eine gleichförmige, einmal eine vielfältige, abwechslungsreiche – ungefähr so beschreibt Borissavlievitch die beiden Bestandteile. Das Ähnliche hat dabei seinen Ursprung in der Perspektive. Es ist ein Verhältnis der Teile untereinander, das mit Hilfe der Perspektivregeln, mit Strahlen und Fluchtpunkten, verdeutlicht werden kann. Demgemäß ist auch vom Perspektivismus der Formen die Rede.
Ähnlichkeit oder der Perspektivismus der Formen
Das Gesetz fördert außerdem asymmetrische Kompositionen. Zur besseren Sichtbarkeit, insbesondere bei Rechteck-Kompositionen, ist die Zeichnung der Diagonale hilfreich. Sie verdeutlicht die Ähnlichkeit, durch Lage und Winkel – denn sind zwei Diagonalen parallel oder im rechten Winkel zueinander, so sind die jeweiligen Formen ähnlich (also im Sinne vom Gesetz des Ähnlichen). Jay Hambidge ging bei seiner Theorie der Dynamischen Symmetrie vielleicht den gleichen Weg, besonders interessant an den Gesetzen ist jedoch die Verbindung der beiden Teile: Gleichheit und Ähnlichkeit.

Das Hilfsmittel der perspektivischen Projektion

Entsteht die Ähnlichkeit durch Anwendung der Perspektivregeln, so ist noch etwas besonders auffällig, was den Zusammenhang von Gleichheit und Ähnlichkeit angeht. Aus gleichen Formen werden durch die perspektivische Projektion ähnliche Formen. Um dies weiterzuverfolgen, betrachte man zwei gleiche Rechtecke, wird eines innerhalb der perspektivischen Projektion gestellt, wird das Verhältnis zum anderen Rechteck ähnlich, aus einer Gleichheit wird eine Ähnlichkeit.
Gleichheit und Ähnlichkeit
Mehr zur perspektivischen Projektion im Organon.